Ben, IT-Mitarbeiter in New York: “Corona hat mir einen Reality-Check gegeben, wie gut ich selbst an den Finanzmärkten aufgestellt bin.”

Porträt Ben New York

Ben lebt seit zwei Jahren in New York und ist dort bei einem großen Unternehmen im IT-Vertrieb angestellt. Der 38-Jährige hat internationale Betriebswirtschaft studiert und möchte seine passiven Einkommensquellen so weit ausbauen, dass er in zehn Jahren idealerweise nur mehr Teilzeit arbeitet.

Womit verdienst du dein Geld und wie sieht deine Einkommenssituation aus?

Ich arbeite als Angestellter im IT-Vertrieb in New York und habe einen Verdienst mit einem hohen variablen Anteil von mehr als 50 %.

Wie sieht deine Wohnsituation aus?

Ich wohne seit zwei Jahren mit meiner Freundin zur Miete in einem 1Bedroom mit Schlafzimmer und Wohnküche.

Welche Ausbildung hast du durchlaufen?

Ich habe an der Wirtschaftsuniversität Wien studiert und dort mein Diplom in Internationaler Betriebswirtschaft (IBW) gemacht.

Womit hast du dein erstes Geld verdient und was hast du damit gemacht?

Als 13-Jähriger habe ich im Supermarkt Regale aufgefüllt und mir mit hart verdienten 150 Euro dann ein ferngesteuertes Auto gekauft.

Für welche Bereiche, Interessen oder Dinge gibst du monatlich das meiste Geld aus und warum?

Für Reisen und Essen, vor allem in Restaurants, gebe ich viel Geld aus. Insgesamt machen meine Hobbys sicher einen großen Anteil aus.

Wie viel % deines Einkommens kannst du zur Seite legen bzw. im Schnitt monatlich investieren?

Das sind in etwa 30 bis 40 Prozent.

Was unterscheidet sich in New York im Alltag besonders vom Leben in Österreich?

Eigentlich ist beides nicht vergleichbar, in einem Satz: Weniger Work-Life Balance, dafür viel mehr Möglichkeiten. Damit meine ich höhere vertikale und horizontale Mobilität in meiner Branche. Es ist einfacher beruflich aufzusteigen und auf der Karriere-Ebene, die man bereits erreicht hat, Job zu wechseln.

New York ist gut, um Geld zu verdienen, aber schlechter, um dauerhaft dort zu leben. Die Mercer Studie, in der Wien immer auf Platz 1 und New York immer irgendwo ganz weit hinten landet, fasst es gut zusammen.

Was hat sich in New York seit der Corona-Krise verändert?

Die Stadt ist komplett leergefegt. Viele der Gründe hier zu leben, existieren gerade nicht mehr. Ich habe noch nie so viel Zeit zu Hause in unserem Mini-Apartment verbracht! Viele überlegen sich auch die Stadt dauerhaft zu verlassen. Man zahlt hier enorm hohe Mieten und bekommt gerade nichts dafür. Wir überlegen auch eventuell in einen anderen Bundesstaat zu übersiedeln.

Welche Auswirkungen hatte Corona bisher auf deinen Job und deinen Umgang mit Geld?

Ich arbeite nur noch von zuhause und bin in Videokonferenzen statt in echten Meetings. Davor bin ich 1x pro Woche zu Kundenterminen geflogen. Ich habe in dieser Zeit weniger Geld ausgegeben, sonst aber meinen Umgang mit Geld nicht verändert. Corona hat gezeigt wie wichtig es ist, Rücklagen zu haben und mir einen Reality-Check gegeben, wie gut ich selbst an den Finanzmärkten aufgestellt bin.

Wo möchtest du finanziell in 5/10 Jahren stehen und wie sieht der Weg dorthin aus?

Ich möchte meine finanzielle Unabhängigkeit und meine passiven Einkommensquellen weiter ausbauen. Idealerweise arbeite ich nur noch Teilzeit in 10 Jahren. Der Weg dahin: die Einkommensseite ausbauen, und die Ausgabenseite im Griff halten.

Worin legst du dein Geld an und wie gehst du dabei vor – und was hat sich durch die Coronakrise daran geändert?

Diversifikation ist für mich oberstes Gebot. Das hat sich auch durch die Krise nicht geändert. Ich habe das Portfolio etwas neu strukturiert – etwas mehr Gold, weniger Anleihen. Meine Strategie ist angelehnt an Ben Graham’ “The Intelligent Investor” und Value Investing bzw. Ray Dalio’s Prinzipien.

Über welche Investition bist du besonders froh und welche bereust du?

Bisher bin ich immer am besten mit langfristigen Investments gefahren und bei kurzfristigen Trades eher eingefahren. Wegen der Krise habe ich Facebook mit Verlust zum Beispiel zu früh verkauft.

Wie und wofür sorgst du finanziell vor?

Ich sorge für die Ausbildung potenzieller Kinder und natürlich für schlechte Zeiten vor – und um die Freiheit zu haben, den Job zu machen, den ich möchte, und frühzeitig in Rente gehen zu können.

Wie bzw. mit welchen Tools behältst du deine Finanzen im Blick?

Dazu verwende ich atom.finance und Google Sheets.

Welchen Ratschlag in Sachen Finanzen würdest du gerne an andere weitergeben?

Fürs Investieren ist es am besten, immer ein Ziel vor Augen zu haben, damit man keine kurzfristigen Entscheidungen trifft und monatlich dafür etwas zur Seite legen kann.

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