Boris, Marketingunternehmer: “Das Wichtigste für mich im Umgang mit Geld ist Augenmaß.”

Porträt Marketingunternehmer Boris

Boris lebt mit seiner Freundin in einer Wiener Mietwohnung und ist seit 2017 als Online Marketing-Unternehmer selbstständig. Davor hat der 32-Jährige an der Wirtschaftsuniversität Wien Betriebswirtschaft studiert. Sein Tipp für angehende Startups: Den Verkauf in den Mittelpunkt stellen und vorab ein Netzwerk aufbauen.

Womit verdienst du dein Geld und wie sieht deine Einkommenssituation aus?

Ich bin selbstständig und helfe meinen Kunden dabei, im Internet erfolgreicher zu werden. Dabei unterstützt mich ein Mitarbeiter und als dynamisches Duo ergänzen wir einander gut. Meine Kunden betreue ich in der Regel langfristig und dadurch habe ich einen Grundsockel an monatlichem Einkommen mehr oder weniger fix. Dazu kommen Einzelprojekte und dadurch schwankt mein Einkommen von Monat zu Monat.

Wie sieht deine Arbeitssituation aus und was erledigst du an typischen Arbeitstagen?

Ich arbeite zu 100% im Home Office. In meiner Wohnung in Wien habe ich ein eigenes Arbeitszimmer und das ist mein einziger Arbeitsort. Diese Situation passt perfekt zu meinen Bedürfnissen, für andere wäre es vielleicht etwas zu einsam. Mein Mitarbeiter arbeitet bei sich zuhause ebenfalls 100% im Home Office.

An einem typischen Arbeitstag lege ich zum Beispiel bei Google oder Facebook neue Marketing Kampagnen für meine Kunden an, optimiere bestehende Kampagnen, arbeite an meinem Angebot und der Neukundengewinnung und telefoniere oder zoome mit KollegInnen, KundInnen und solchen, die es noch werden wollen.

Welche Ausbildung hast du gemacht?

Ich habe ein Bachelor-Studium für Betriebswirtschaft an der WU Wien abgeschlossen. Danach habe ich ein Master-Studium für Management angehängt – das habe ich aber nicht abgeschlossen, weil ich lieber arbeiten gegangen bin, als die Masterarbeit zu schreiben. Im Nachhinein war das wahrscheinlich nicht die ideale Entscheidung, weil beides wohl auch parallel möglich gewesen wäre.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der ein Unternehmen gründen möchte?

Ein Unternehmen wird erst zu einem Unternehmen, wenn es zahlende Kunden hat. Am Anfang sollte daher alles dem Verkauf untergeordnet werden, sonst bleibt das Vorhaben ein Hobby. Dabei hilft ein Netzwerk, welches man sich noch als Angestellter aufbauen kann.

Welche Auswirkungen hatte COVID-19 bisher auf deinen Job bzw. deinen Alltag und deinen Umgang mit Finanzen?

Corona hat meine Einkünfte kurzzeitig besorgniserregend zurückgehen lassen. Inzwischen hat sich das glücklicherweise wieder normalisiert. Aber ab Mitte März war ich für einige Wochen unrund.

Die Konsequenzen daraus waren für mich: Kurzfristig nicht notwendigen Konsum zurückfahren und mittelfristig mein Angebot für meine Kunden breiter machen, um dadurch auch in Krisenzeiten ein wichtiger Dienstleister zu bleiben.

Was ist für dich das Wichtigste im Umgang mit Geld und wie bzw. wo hast du es gelernt?

Das Wichtigste für mich im Umgang mit Geld ist Augenmaß: Immer nur einschränken alleine macht auf Dauer unglücklich. Aber jedem Impuls nachgeben, macht auf Dauer Pleite. Aus meiner Sicht ist es wichtig, einen Mittelweg zu finden. Ich persönlich setze den Fokus mehr auf Investition und Sparen statt auf Konsum.

Mein Wissen über Finanzen habe ich während des Studiums aufgebaut, bei meinem Job in der Finanzabteilung eines Unternehmens gefestigt und dank Reddit auf meine persönlichen Finanzen umgemünzt.

Womit hast du dein erstes Geld verdient und was hast du damit gemacht?

Mein erstes Geld habe ich bei einem Ferialjob in einer Manufaktur für Alu-Fenster verdient. Damals hatte ich noch eine weniger defensive Einstellung zu Geld und habe alles für weiße Spritzer und Marlboro ausgegeben.

Für welche Bereiche, Interessen oder Dinge gibst du monatlich das meiste Geld aus und warum?

Privat stellt für mich meine Wohnung die größte Ausgabe dar. Mir ist eine komfortable Wohnung wichtig, weil ich von zu Hause arbeite und hier den Großteil meiner Tage verbringe. Davon abgesehen genieße ich gutes Essen und gehe häufig in Restaurants; wobei mir Corona hier einen Dämpfer versetzt hat.

Wie viel % deines Einkommens kannst du zur Seite legen bzw. im Schnitt monatlich investieren?

Aus meiner Selbstständigkeit zahle ich mir ein durchschnittliches Vollzeitgehalt aus und den Rest lege ich zur Seite – das ist mal mehr, mal weniger.

Was bedeutet finanzielle Freiheit für dich?

Finanzielle Freiheit bedeutet für mich, von den Zinsen der eigenen Investitionen ein komfortables Leben führen zu können – ohne auf weitere Einkünfte angewiesen zu sein. Vielleicht geht sich das ja noch vor der Pension aus…

Wenn dir jemand 5.000 Euro schenken würde, was würdest du mit dem Geld genau tun?

So einen unerwarteten Geldsegen würde ich sinnvoll nutzen und ganz unbedacht dem erwähnten nicht notwendigen Konsum frönen 😉

Erzähle von einer Situation, in der du dein Geld für etwas Unvernünftiges bzw. Teures ausgegeben hast, das aber Spaß gemacht hat?

Ich habe als Student ein Semester in Helsinki verbracht. Das (Nacht-)Leben dort ist ziemlich teuer und deswegen war das wohl die teuerste und auch sonst unvernünftigste Zeit meines Lebens – aber ich möchte keine Sekunde davon missen.

Welchen Ratschlag in Sachen Finanzen würdest du gerne an andere weitergeben?

Spare in der Zeit, dann hast du in der Not: Lege dir einen finanziellen Polster von 3-6 Monatsgehältern an und nutze diesen für Notfälle. Alles darüber hinaus gehende investiere in langfristige Anlagen mit niedrigen Bearbeitungsgebühren, wie zum Beispiel ETFs. Wichtig: Denk zwischendurch auch mal an eine Gönnung.

Wenn du jemals auf dem Cover von Forbes landen solltest, dann mit dem Titel…

Drei Erfolgsgeheimnisse, die du NIEMALS vermutet hast – Wirtschaftsprofessoren hassen ihn dafür!

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