Alex, Software-Unternehmer: “Freiheit und Flexibilität in der Selbständigkeit sind teuer gekauft.”

Porträt Software-Unternehmer Alex

Alex hat als Software-Entwickler vor einem Jahr eine Firma gegründet. Bis vor kurzem tourte der 37-Jährige als digitaler Nomade durch verschiedene Länder. Jetzt ist er wieder in seiner WG in Wien gelandet. Alex sieht sich selbst als reisenden Technologie-Gründer und erzählt von seinen Erfahrungen gerne auf seinem Blog.

Wie sehen deine Arbeits- und deine Einkommenssituation grundsätzlich aus?

Ich entwickle Software-Produkte und habe vor einem Jahr in diesem Bereich eine Firma gegründet. Dabei geht es um Software im Bereich E-Mail-Marketing bzw. Jurybewertungen bei Startup-Wettbewerben. Ich zahle mir ein regelmäßiges Gehalt aus, das meine Basiskosten deckt.

Einen typischen Arbeitstag gibt es bei mir als Unternehmer nicht. Ich arbeite viel mehr nach einem Wochenplan. Dabei wird priorisiert, was unbedingt erledigt werden muss. Dann gibt es immer einen relativ großen Block mit Dingen, an denen ich arbeiten möchte und dann kümmere ich mich natürlich auch um Support-Anfragen von KundInnen.

Welche Ausbildungen hast du durchlaufen?

Ich habe an der Technischen Universität Informatik studiert und in München meinen Bachelor und in Wien meinen Master gemacht. Danach habe ich an der Wirtschaftsuniversität Wien eine Ausbildung für Betriebswirtschaft mit einer Spezialisierung für KMU, Entrepreneurship & Innovation absolviert.

Wie sieht deine Wohnsituation aus?

Bis zu Jahresbeginn habe ich in verschiedenen Ländern gelebt und von dort aus gearbeitet – sozusagen als digitaler Nomade. Jetzt wohne ich wieder in meiner Mietwohnung in Wien. Diese habe ich während meiner Reisen als Wohngemeinschaft untervermietet. Zwei Zimmer sind nach wie vor vergeben, daher lebe ich dort jetzt aktuell ebenfalls nur in einem WG-Zimmer.

Womit hast du dein erstes Geld verdient und was hast du damit gemacht?

Meinen ersten Job hatte ich nach der Schule bei der Firma Compaq, die mittlerweile von HP gekauft worden ist. Dort habe ich als Praktikant für Softwareentwicklung gearbeitet. Das Gehalt habe ich – sagen wir mal so – in Computer-Sachen “investiert”, ausgegeben wäre wahrscheinlich die bessere Wortwahl.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der selbstständig Geld verdienen und nicht von einem Arbeitgeber abhängig sein möchte?

Wenn jemand ein Unternehmen gründen will, um reich zu werden, muss ich sagen: Man wird statistisch wahrscheinlich reicher, wenn man für jemand anderen arbeitet. Einfach weil viele Unternehmer scheitern.

Viele sehnen sich nach der Selbstständigkeit, weil man viele Freiheiten hat und von außen alles sehr schön wirkt. Der Schein trügt aber, es ist nicht so einfach. Freiheit und Flexibilität sind teuer gekauft.

Unternehmertum heißt, dass man sich um alles kümmern und sich ganz auf seine eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten verlassen muss. Das ist in Summe wesentlich aufwendiger, als für jemand anderen zu arbeiten. Man muss dafür die nötige Motivation aufbringen.

Andererseits muss ich sagen: Ich kann mir nicht vorstellen wieder angestellt zu sein. Ein Unternehmer zu sein ist toll. Es bietet so viel Abwechslung, dass man nicht in ein monotones Abarbeiten verfällt. Das macht es einfach spannend, aber – wie schon erklärt – eben auch aufwendig.

Was bedeutet finanzielle Freiheit für dich?

Im Wesentlichen heißt das für mich, dass es ein finanzielles Polster gibt, das alles abdeckt, wenn es hart auf hart kommt. Dass man die Sicherheit hat, sich keine Gedanken machen zu müssen, wenn ein Notfall eintritt – wenn zum Beispiel die Therme kaputt geht oder das Auto. Das würde ich als erstes Niveau von finanzieller Freiheit bezeichnen.

Ein zweites – höheres – Niveau von finanzieller Freiheit bedeutet für mich, dass ich mir keine Gedanken machen muss, ob ich die billige oder die teurere und damit “ordentlichere” Version eines Produktes kaufe – dass ich einfach die Möglichkeit habe in ein hochwertigeres Produkt zu investieren, das mir dann länger Freude und Nutzen bringt.

Für welche Bereiche, Interessen oder Dinge gibst du monatlich das meiste Geld aus und warum?

In den vier Jahren meines digitalen Nomadentums bin ich viel gereist. Da habe ich das meiste Geld für Flüge und Unterkünfte ausgegeben. Jetzt lebe ich wieder in Wien und da steht die Miete an erster Stelle. Als monatlich wiederkehrende Kosten fallen hauptsächlich Internetdienste an, zum Beispiel Netflix oder Spotify. Essen gehen ist sicher auch etwas, in das ich investiere – und zwar vor allem dann, wenn ich mich mit anderen Leuten treffe. Das ist etwas, an dem ich auch nicht sparen will.

Wie viel % deines Einkommens kannst du zur Seite legen bzw. im Schnitt monatlich investieren?

Aktuell nichts. Meine neue Firma ist gerade erst ein Jahr alt und daher soweit, dass ich sagen kann, sie deckt meine Basiskosten. Das war aber nicht immer so. Ich habe zu Beginn meiner Karriere als Softwareentwickler gearbeitet und dabei schon Geld gespart. Grob durchgerechnet waren das damals 20 % meines Einkommens.

Wie bzw. mit welchen Tools behältst du deine Finanzen im Blick?

Ganz klassisch mit Excel. Eine Zeitlang habe ich auch YNAB. verwendet. Statt im Nachhinein zusammenzuzählen, was man ausgegeben hat, gibt man sich bei diesem Tool ein Budget vor.

Die Miete und Kosten, die monatlich gleichbleiben, kontrolliere ich über den Kontoauszug. Für Alltagsausgaben überweise ich von meinem Privatkonto auf ein separates Konto ein monatliches Taschengeld. Diese Summe verwende ich dann für Dinge wie Einkäufe oder Lokalbesuche. Sobald ich auf diesem Konto kein Geld mehr habe, weiß ich, dass ich irgendwo mehr als üblich ausgegeben habe und kann das genau nachvollziehen.

Der einzig variable Punkt, der nicht ideal beobachtbar ist, sind Onlinekäufe, die direkt von meinem privaten Konto abgebucht werden. Da kontrolliere ich quartalsmäßig, was zusammengekommen ist. Aber vor allem schaue ich dabei: Habe ich von den Käufen irgendetwas nicht gebraucht? Oder habe ich etwas eingekauft und die Qualität hat nicht gestimmt?

Was ist das Wichtigste im Umgang mit Geld und von wem hast du es gelernt?

Eine ganz wichtige Sache ist Kontrolle: Es ist wichtig, einen Mechanismus zu haben, um zu merken, wenn man mehr Geld als üblich ausgibt. Ich muss sagen, man nimmt natürlich von seinen Eltern das Meiste mit. Meine Mutter hatte die Haushalts-Finanzen immer im Griff und war da sehr penibel. Und mein Vater hat sich als Manager auf Unternehmerseite um das Thema gekümmert. Von beiden habe ich mitgenommen, dass Geld etwas ist, das kontrolliert gehört. Und nicht etwas, das aufs Konto kommt und das man blind ausgeben kann.

Die zweite wichtige Sache ist für mich Investition in Qualität: Als ich jung war, habe ich öfter den Fehler gemacht und minderwertige Qualität gekauft, weil ich gedacht habe, das ist einfach günstiger. Das war witzigerweise eine Lektion, die ich von meiner damaligen Partnerin gelernt habe.

Über welche Investition bist du besonders froh und welche bereust du?

Mir fällt dazu als erstes ein, dass ich schon als Angestellter immer in meinen Arbeitsplatz investiert habe. Ich habe mir zum Beispiel hochwertige ergonomische Bürosessel gekauft, die ich jetzt immer noch verwende, und eigene Bildschirme. Dazu muss ich sagen: Als ich als Softwareentwickler begonnen habe, waren Röhrenbildschirme noch ein Thema und ich habe damals einen Flachbildschirm mit ins Büro genommen. Beides entspricht wieder meinem Prinzip: Ich investiere in etwas mehr Geld aufgrund von besserer Qualität.

Eine Investition, die ich bereue, gibt es eigentlich nicht wirklich. Bereuen würde ich etwas als Fehler nur dann, wenn ich es zwei-, dreimal mache, ohne etwas daraus zu lernen.

Ein bisschen bereue ich den langjährigen Besitz eines Autos in Wien. Obwohl ich es nicht verwendet habe, zahlte ich für das Auto lange Steuern, Versicherung, Erhaltungskosten und Reparaturen. Zwei Winter hintereinander habe ich sogar die Batterie erneuert ohne das Fahrzeug zu nutzen. Das würde ich heute nicht mehr machen. Ich versuche weniger emotionalen Bezug zu Dingen zu haben und Sachen aufzugeben, wenn sie keinen Sinn mehr für mich haben.

Wenn dir jemand 5.000 Euro schenken würde, was würdest du mit dem Geld genau tun?

Zuerst würde ich fragen, wo er es her hat und wie er es versteuert hat.

Aber generell würde ich so eine Summe im Moment zur Seite legen oder in den Firmenaufbau investieren. Ich habe gerade keine private Situation, für die ich es ausgeben wollen würde.

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