Richard, Start-up-Gründer: “Ich bin frei, wenn ich es mir leisten kann, zu tun, was ich will.”

Richard absolviert gerade im Anschluss an sein BWL-Studium seinen Master in Finance & Marketing. Der 23-Jährige begann schon früh sich mit der Finanzwelt auseinanderzusetzen: 2014 begann er parallel zu seinem Studium ein Traineeprogramm zum Finanzberater. 2017 gründete er mit Freunden das Start-up DrinkForFood, das individuell gestaltete Weinflaschen vertreibt und gleichzeitig Ernährungs-Projekte unterstützt. Richard investiert seit fünf Jahren in Wertpapiere und legt monatlich im Schnitt 20 % seiner Einkünfte zurück. Wie er beim Thema Geld tickt, erzählt er uns im Interview:

Womit hast du dein erstes Geld verdient und was hast du damit gemacht?

Ganz früher mit Nachhilfe in Mathematik. Aber das war nicht meine Stärke! Meine Nachhilfe-Schülerin ist sitzen geblieben und dann wurde ich gekündigt 😉. Ich habe das Geld, das ich in meiner Nachhilfe-Zeit verdient habe, gespart, mir Bücher gekauft oder für Essen ausgegeben, weil ich immer viel unterwegs war.

Für welche Bereiche, Interessen oder Dinge gibst du monatlich das meiste Geld aus und warum?

Ich gebe kein Geld für Mist aus. Mein Geld geht in meine Altersvorsorge, in ein Depot, wird in Bücher investiert und meine persönlichen Projekte. Ich bin noch nicht fit bei digitalen Themen: Fotos, Videos, Podcasts, Instagram, Facebook, LinkedIn… Das will ich ändern und starte da gerade. Voice finde ich super spannend, daher habe ich jetzt gerade Geld für Kamera, Mikrofone etc. ausgegeben.

Wie viel % deines Einkommens kannst du zur Seite legen bzw. im Schnitt monatlich investieren?

Ich spare monatlich etwa 20 %. Dadurch, dass mein Einkommen nicht jeden Monat gleich ist, sind die Beträge manchmal deutlich höher und dann prozentual wieder etwas niedriger. Es fühlt sich jedenfalls sehr gut an, Rücklagen für sich selbst zu haben und zu wissen, im Zweifel auch seinem engsten Umfeld finanziell helfen zu können.

Wenn dir jemand 5.000 Euro schenken würde, was würdest du mit dem Geld genau tun?

Instagram- und Facebook-Ads erstellen und einfach beobachten, was passiert. Das Geld sozusagen in meine „digitale Bildung” investieren.

Was ist das Wichtigste im Umgang mit Geld und von wem hast du es gelernt?

„Kein Geld ausgeben für dummen Sch💢💩☠️🤬!“ – Das haben mir meine Eltern beigebracht.

Was bedeutet finanzielle Freiheit für dich?

Selbstbestimmt und glücklich sein. Meiner Meinung nach sollten wir viel mehr darüber reden, wie und wann wir glücklich sind, als darüber wie viel Geld wir verdienen wollen. Ich bin frei, wenn ich es mir finanziell leisten kann, das zu tun, was ich will. Das fancy Auto, die Uhr oder die neuen Schuhe brauche ich nicht. Viele, die mich kennen, wissen zum Beispiel wie ungern ich Geld für Kleidung ausgebe. Besonders deutlich wurde mir das, als ich mit meiner Mutter an meinem 21. oder 22. Geburtstag das traditionelle Geburtstagsfoto gemacht habe. Ich hatte zufällig das gleiche T-Shirt an wie an meinem 17. Geburtstag!

Was war dein persönlicher Motivationsfaktor, dich näher mit Geld & Co zu befassen?

Ich habe parallel zum Studium damit begonnen, weil ich das Thema mega spannend fand.
Die Finanzbranche bietet eine sehr gute Perspektive. Sie hat einen miesen Ruf, wird von vielen als unattraktiv betrachtet und ich als Finanzberater werde häufig als „Verkäufer” abgestempelt. Dabei trage ich als Berater ungeheure Verantwortung den Kunden gegenüber: Die angemessene Pension, das eigene Haus, die finanzielle Absicherung der Familie, für all das steht man als Finanzberater gerade. Da ist einfach extrem viel Luft für positive Entwicklungen, das gefällt mir und motiviert mich.

Wie sollte das Thema Finanzen für junge Menschen zugänglich gemacht werden?

Leider wird in dem Zusammenhang häufig schnell und einfach gesprochen, was dem Ganzen nicht gerecht wird. Warren Buffet hat wohl mal gesagt: „No one wants to get rich slow.“ Geduld und Disziplin sind meiner Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften. Es gibt keine richtige Lösung. Es gibt nur eine richtige Lösung für dich oder mich. Um diese zu finden, müssen wir uns Zeit nehmen und über die einzelnen Bedürfnisse, Ziele und Wünsche sprechen. Ich bin ein großer Freund davon, Optionen aufzuzeigen – inklusive der Folgen daraus. Es ist nicht falsch, jetzt noch nichts für die Altersvorsorge zu tun, weil man um die Welt reisen will. Aber es bedeutet, dass man in Zukunft mehr zur Seite legen muss.

Investierst du in Wertpapiere und falls ja, welchen Tipp hast du für andere?

Ich investiere seit knapp fünf Jahren über internationale Investmentfonds in Schwellenländer, Grenzmärkte und zum Teil in Rohstoffe. Mein Tipp: Einfach mal mit 25 Euro pro Monat starten. Wenn du noch nie aktiv Geld gespart oder investiert hast, kannst du erstmal ein kostenloses Girokonto eröffnen und einen Dauerauftrag einrichten. Wenn du so mit deinem restlichen Einkommen nach zwei bis sechs Monaten gut klarkommst, kannst du beginnen langfristig zu investieren. Wichtig ist: Mach es jetzt! Das Girokonto zu eröffnen und den Dauerauftrag zu starten dauert 15 Minuten. Das Gefühl, in einem Jahr die Rücklagen zu sehen, ist der Hammer!

Wenn du jemals auf dem Cover von Forbes landen solltest, dann mit dem Titel…

Ehrlich gesagt, motiviert mich das Cover der Forbes ziemlich wenig und es reizt mich nicht wirklich dort abgebildet zu sein. Wenn ich jemals darauf vorkommen sollte, dann mit der Überschrift: „Richard spendet sein gesamtes Vermögen“.

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