Apropos Steuertipps – Wann ein Steuerberater für Startups und Freelancer Sinn macht.

Wer als Einzelunternehmer ein Startup gründet oder als Freelancer arbeitet, ist steuerrechtlich gesehen selbstständig und muss alle Einnahmen in einer Steuererklärung beim Finanzamt melden. In unserem dritten und letzten Teil der Apropos Geld Serie zum Thema Steuerrecht erklärt Steuerberaterin Silvia Simon von EOS Partner in welchen Situationen Steuererklärungen erstellt werden müssen und worauf beim Unternehmertum grundsätzlich geachtet werden muss.

Angenommen Anna arbeitet als Freelancer für mehrere Unternehmen, was muss sie beim Thema Steuern berücksichtigen?

Silvia Simon: Freelancer wie Anna sind normalerweise selbständig tätig. Anna erhält ihre Honorare und ist selbst für die Versteuerung und ihre Sozialversicherung zuständig. Sie muss sämtliche Einkünfte in die Steuererklärung aufnehmen, Aufwendungen kann sie als Betriebsausgaben in Abzug bringen. Ihre Einkommensteuer und die Sozialversicherungsbeiträge muss sie vierteljährlich vorauszahlen. Mit Hilfe eines Steuerberaters kann Anna sicher gehen, dass zum Beispiel Gewinnfreibeträge für Selbständige bestmöglich ausgenutzt werden.

Wie kann ein(e) SteuerberaterIn bei der Gründung eines Startups und beim Wechsel vom Angestelltenverhältnis ins Unternehmertum unterstützen?

Silvia Simon: Beim Übergang von einem Dienstverhältnis in die Selbständigkeit kommt es zu einem „Systemwechsel“. Statt Lohnzettel und Versicherung bei der Österreichischen Gesundheitskasse (vormals Gebietskrankenkasse) sind nun Einkommensteuervorauszahlungen und Vorauszahlung an die Sozialversicherung der Selbstständigen (vormals „SVA“) notwendig.

Je nachdem in welcher Branche sich jemand selbständig machen will und ob noch weitere Personen mit an Bord sind, berät ein(e) SteuerberaterIn bei der Wahl der geeignetsten Gesellschaftsform.

Was muss bei der Wahl der Rechtsform grundsätzlich beachtet werden?

Silvia Simon: Ein Einzelunternehmen ist schnell gegründet, ich trage als Unternehmerin allerdings die volle Haftung (auch mit dem Privatvermögen) und bin alleine für das Risiko verantwortlich. Die Buchhaltung kann – bis zu gewissen Grenzen – als Einnahmen-Ausgaben-Rechnung abgewickelt werden.

Bei Personengesellschaften – zum Beispiel Offene Gesellschaften (OGs) oder Kommanditgesellschaften (KGs) – können sich zwei oder mehrere Personen zusammentun, um gemeinsam ein Ziel anzustreben. Auch hier gilt allerdings das Motto: jeder haftet für jeden und für möglicherweise für alles!

Eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) unterliegt aufgrund ihrer Rechtsform zwingend der Bilanzierungspflicht. Ein Jahresabschluss ist jedes Jahr aufzustellen und auch beim Firmenbuch zu veröffentlichen. Die laufenden Kosten sind daher bei einer GmbH im Regelfall höher als zum Beispiel bei einem Einzelunternehmen. Allerdings haftet der Gesellschafter bei einer GmbH nur mit seiner Einlage und nicht darüber hinaus mit seinem Privatvermögen.

Steuerliche Aspekte sind in der Regel nur ein Teil der Kriterien für die Wahl der Rechtsformwahl – auch das Thema Haftung spielt eine Rolle oder die Frage, ob Gewinne wieder reinvestiert werden sollen. Oft starten Unternehmer mit einem Einzelunternehmen. Sobald der Betrieb ins Laufen gekommen ist und die Gewinne höher werden, kann eine GmbH steuerlich günstiger sein. Hier stellt ein Steuerberater Vergleichsrechnungen an, um festzustellen, welche Rechtsform aus steuerlicher Sicht die ideale ist und kann auch dafür sorgen, dass ein einmal gegründetes Unternehmen in eine andere Rechtsform „umgewandelt“ wird, ohne dass dies Einkommensteuer auslöst.

Wer fällt unter die Kleinunternehmerregelung?

Silvia Simon: Unter die Kleinunternehmerregelung fallen Unternehmer mit Sitz in Österreich, welche die Umsatzgrenze von EUR 35.000 – jährlich nicht überschreiten. Diese Kleinunternehmer sind von der Umsatzsteuer befreit. Sie müssen keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen und an das Finanzamt abführen. Andererseits dürfen Kleinunternehmer von ihren Ausgaben keine Vorsteuer in Abzug bringen.

Wie funktioniert die Mitarbeiter-Lohnverrechnung grundsätzlich?

Silvia Simon: Oftmals wird die Lohnverrechnung von SteuerberaterInnen übernommen. Der Steuerberater errechnet jedes Monat das den MitarbeiterInnen auszuzahlende Gehalt sowie die abzuführenden Abgaben wie zum Beispiel Sozialversicherung, Lohnsteuer sowie Lohnnebenkosten des Dienstgebers. Für jede(n) MitarbeiterIn ist ein eigenes Lohnkonto zu führen.

Aus der Lohnverrechnung gewinnt der/die SteuerberaterIn auch Erkenntnisse, wodurch beispielsweise eine Optimierung im Bereich der Personalkosten erlangt werden kann.

©Hannes Kreuzer

Steuerberaterin Silvia Simon: “In der Phase der Unternehmensgründung wird manchmal übersehen ausreichend Rücklagen zu bilden.”

Welche finanziellen Rücklagen müssen in einem Unternehmen verfügbar sein?

Silvia Simon: In der Phase der Unternehmensgründung wird manchmal übersehen ausreichend Rücklagen zu bilden, also Geld „auf die Seite zu legen“. Gerade in Zeiten, wo Gewinne erzielt werden, sollte daran gedacht werden. Es gibt absehbare finanzielle Ereignisse, die Rücklagen erforderlich machen, wie zum Beispiel Steuerforderungen des Finanzamtes. Auch die Sozialversicherung ist in den ersten 3 Jahren nach Unternehmensgründung in der Regel niedriger, dann kann es allerdings zu höheren Nachzahlungen kommen. Andererseits sind UnternehmerInnen oftmals auch mit unerwarteten Entwicklungen konfrontiert, für die Rücklagen benötigt werden. Solche Zahlungen entstehen beispielsweise durch gesetzliche Änderungen – Streichung von Zuschüssen, Prämien, etc. – oder Umsatzeinbußen durch Marktveränderungen oder krankheitsbedingte Ausfälle. Die Höhe der notwendigen Rücklagen ist von vielen Faktoren abhängig. Berechnungen auf Basis von worstcase-Szenarien sind oft sinnvoll.

In den beiden ersten Teilen der Apropos Geld Interview-Serie kannst du nachlesen, worauf du bei Zusatzeinkünften durch Wertpapier-Investments und Einkünfte aus Immobilienbesitz achten musst.

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