Lynn, Studentin und Au-Pair in Madrid: „Mich macht es sehr stolz, dass ich mein Studium komplett selbst finanziere.“

Lynn arbeitet als Au-Pair und studiert Tourismus an der Universidad Complutense in Madrid. Nach den Vorlesungen bringt sie ihren drei Gastkindern Deutsch bei. Im Sommer arbeitet sie in ihrer Heimatstadt in Deutschland als Kellnerin, um sich die Studiengebühren zu finanzieren. Zusätzlich spart Lynn auf separaten Konten für ihren Neffen und ihre zwei Nichten.

Welche Ausbildung hast du durchlaufen bzw. machst du gerade?

Nach einem missglückten Studienstart in Paderborn entschloss ich mich dazu, mein Leben komplett umzukrempeln. Vor zwei Jahren habe ich mich daher entschieden, für ein halbes Jahr als Au-Pair nach Madrid zu gehen und währenddessen eine Sprachschule zu besuchen. Als es daraufhin wieder in Richtung Heimat ging, kam mir der verrückte Gedanke, meine Sachen zu packen und einfach in Madrid zu bleiben – schließlich kann ich ja auch dort studieren. Ich war anfangs sehr skeptisch, ob ich mich nicht selbst überschätzt habe. Nun studiere ich im fünften Semester Tourismus und es könnte nicht besser laufen.

Was erledigst du an typischen Arbeitstagen?

Ich arbeite seit mittlerweile zwei Jahren als Au-Pair in Madrid. Nach der Uni beschäftige ich mich mit meinen drei Gastkindern, die im Alter zwischen 8 und 16 Jahren sind. An typischen Arbeitstagen hole ich den Jüngsten ab, koche für uns und mache einige Deutschübungen mit ihm. Die Semesterferien verbringe ich zu Hause in Deutschland und arbeite dort bei einem Veranstaltungsservice als Kellnerin. So kann ich meine Studiengebühren und mein Leben in Madrid finanzieren.

Womit hast du dein erstes Geld verdient und was hast du damit gemacht?

Ich hatte schon mit 14 Jahren meinen ersten Aushilfsjob, eine kleine Tätigkeit im Friseursalon am Samstagmorgen. Mit 16 Jahren habe ich das erste Mal in einem Restaurant gearbeitet und bis heute macht mir das Kellnern Spaß.

Mein erstes Geld habe ich vermutlich für die wöchentliche Zeitschrift Bravo ausgegeben. Jeden Mittwoch habe ich sie mir gekauft und das war mein persönliches Highlight. Zudem wohnten wir gegenüber eines Kiosk, wo ich mir fast täglich Eis, Süßigkeiten und viel Unsinn gekauft habe.

Für welche Bereiche, Interessen oder Dinge gibst du monatlich das meiste Geld aus und warum?

Da ich bei meiner Gastfamilie wohne, muss ich keine Miete zahlen. Für meine Lebensmittel komme ich aber selbst auf. Zusätzlich fließt der Großteil meines Geldes in meine Fixkosten, zum Beispiel für Fitnessstudio, Netflix, Sparbücher, Semesterticket und Handyvertrag. Da bin ich schnell bei 130 Euro monatlich.

Dazu muss ich sagen, dass der Lohn eines Au-Pairs bei durchschnittlich 60 Euro pro Woche liegt. Seit Kurzem gebe ich jedes zweite Wochenende auch noch Nachhilfe und bekomme dafür circa 70 Euro im Monat.

Über welche Investition bist du besonders froh und welche bereust du?

Ich reise ziemlich gerne, oft und auch sehr spontan! Dabei sind besonders Städtetrips sehr kostspielig. Neben dem Flug und der Unterkunft möchte man vor Ort die Zeit maximal genießen und schaut nicht unbedingt auf jeden Cent. Leider habe ich zu oft nach einem Einkauf oder nach einer Reise den Gedanken: „War das jetzt wirklich notwendig?“. Allerdings habe ich schnell eine Ausrede parat: „Man ist nur einmal jung!“ oder „Gönn dir mal was!“. Denn statt Geld regelmäßig zur Seite zu legen, um gegebenenfalls auf eine Rücklage im Notfall zurückzugreifen, verprasse ich es gerne mal als gäbe es kein Morgen mehr – was ich wiederum am darauffolgenden Morgen ein bisschen bereue.

Abgesehen davon bin ich über eine Investition besonders froh: Meinen Bausparvertrag. Den habe ich nämlich aufgelöst, um die Sprachschule in Madrid zu besuchen und dort das erste halbe Jahr finanziell zu überbrücken.

Erzähle von einer Situation, in der du dein Geld für etwas Unvernünftiges bzw. Teures ausgegeben hast, das aber Spaß gemacht hat?

Ein Festival in Valencia hat mich sehr viel gekostet. Als meine Freundin mich anrief und mir sagte, dass sie für uns Karten um nur 35 Euro + 30 Euro für das Camping ergattert hat, dachte ich: „Wow, was für ein Schnäppchen! Da müssen wir hin!“ Na gut, das Festival fand in Valencia statt – da musste ich ja erstmal hinkommen. Zu dem Zeitpunkt war ich auf Mallorca und der Flug nach Valencia hat mich in der Hochsaison natürlich sehr viel Geld gekostet (beinahe wäre er sogar ausgefallen). Das Festival dauerte sieben Tage lang und die Preise dort waren utopisch: Ein Getränk für schlappe 8 Euro und von den Essens-Preisen wollen wir gar nicht erst anfangen. Noch dazu mussten wir uns eine komplette Camping-Ausrüstung kaufen, da wir kurz vor dem Festival eine Absage für das versprochene Leih-Zelt erhielten – also Unmengen an Kosten, die wir so nicht erwartet hatten. Die Rückfahrt war ebenso sehr teuer und zeitaufwändig. Rückblickend kann ich sagen, dass es nicht meine klügste Entscheidung war, aber dafür hatte ich eine Menge Spaß.

Wieviel Prozent deines Einkommens kannst du zur Seite legen bzw. im Schnitt monatlich investieren?

Ich habe diverse Konten, auf die ich monatlich einen gewissen Betrag einzahle, um mir bestimmte langersehnte Wünsche zu erfüllen. Beispielsweise habe ich ein Reise-Sparbuch mit meiner besten Freundin eröffnet, auf das wir beide monatlich jeweils 20 Euro überweisen. Ein weiteres Konto ist für meinen Neffen und meine Nichten. Es ist eine Art Führerscheinsparbuch, das sie einlösen können, wenn sie das 18. Lebensjahr erreicht haben. Es sind kleine Beträge, aber über die Jahre kommt doch eine gute Summe zusammen. Zudem habe ich eine Spardose, in die das Geld meines Wochenendjobs kommt – ein kleiner Anfang für die Bezahlung der Studiengebühren im nächsten Jahr.

Wie sorgst du finanziell für Notsituationen vor?

Abgesehen von den eben angesprochenen Sparkonten, erlaubt es meine derzeitige Situation leider nicht, ein richtiges Notfallpolster aufzubauen. Es macht mich aber sehr stolz, dass ich mein Studium komplett selbst finanziere. Die Studiengebühren in Madrid liegen bei rund 1.500 Euro pro Semester und falls man eine Prüfung wiederholen muss, kommen zusätzliche 300 Euro dazu. Bisher hatte ich noch keine gravierenden finanziellen Probleme, außer hier und da mal kleine Tiefpunkte. Beruhigend ist es schon zu wissen, dass mir meine Eltern im Notfall unter die Arme greifen, aber ich lege dennoch sehr viel Wert darauf, alles alleine zu meistern.

Wenn dir jemand 5.000 Euro schenken würde, was würdest du mit dem Geld genau tun?

Wow, 5.000 Euro ist eine Menge Geld. Ich glaube, vor einem Jahr hätte ich gesagt „So Tschüss! Ich reise erstmal.“ Heute, einen Sommer später, sehe ich das Ganze etwas anders. Ich würde das Geld zur Seite legen, um die nächsten Studiengebühren und Flüge nach Deutschland bezahlen zu können. Denn dann hätte ich mehr von den Semesterferien und könnte die Zeit zu Hause mit Familie und Freunden intensiver genießen, als es dieses Jahr möglich war.

Was ist das Wichtigste im Umgang mit Geld und von wem hast du es gelernt?

Das Wichtigste für mich ist es, den Überblick zu behalten. Die Kreditkarte wird sekundenschnell durchgezogen und aus 10 Euro an Ausgaben werden rasch 100 Euro – ohne, dass man es wirklich wahrnimmt, denn es fehlt ja nichts im Portemonnaie. Meinen Umgang mit Geld habe ich definitiv meiner Mutter zu verdanken. Sie hat mir und meinen Schwestern ziemlich früh beigebracht, wie man selbstständig mit Geld umzugehen hat. Sie hat uns mit Taschengeld bereits als Kinder und Jugendliche auf die Probe gestellt: Wenn ich schon Mitte des Monats nichts mehr übrig hatte, dann lief wohl etwas schief. Dabei ließ sie uns viel Freiheit und wir durften uns praktisch kaufen, was wir wollten, denn nur so konnten wir zusehen, wie schnell wir unser Geld ausgaben. Meine Mutter führt nach wie vor ein Haushaltsbuch und das habe ich mir von ihr abgeguckt.

Wie schätzt du dich ein: Kannst du gut mit Geld umgehen?

Geht es um die spontanen Trips oder um Konzertbesuche, für die ich eigentlich gerade gar kein Geld habe, dann würde ich das ganz klar verneinen. Wenn es darum geht, alle Fixkosten monatlich rechtzeitig zu bezahlen, mir mein Geld für Lebensmittel, Kino- und Restaurantbesuche einzuteilen, dann müsste ich ja sagen.

Wo möchtest du finanziell in 5 bis 10 Jahren stehen und wie sieht der Weg dorthin aus?

In 5 bis 10 Jahren sehe ich mich auf jeden Fall in einem festen Job, der es mir ermöglicht meine Miete und meinen Lebensunterhalt zu bezahlen. Wichtiger als irgendein Luxus ist für mich, dass mir mein Job Spaß macht. Ich studiere Tourismus, weil es mein Hobby ist, anderen Menschen Kulturen, Länder und auch Sprachen näher zu bringen. Mein Plan ist es, in verschiedenen Ländern oder gar auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten, so viel wie nur möglich von dieser Welt kennenzulernen und mich gegenüber anderen Kulturen zu öffnen. Wenn ich weiter in die Zukunft sehe, wünsche ich mir natürlich noch viel mehr Dinge, wie ein Haus zu kaufen und ein finanzielles Level zu erreichen, das mir Sicherheit gibt.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, den es ins Ausland zieht, der aber besorgt um seine Finanzen ist?

Wenn ihr nach einer neuen Herausforderung sucht, überlegt nicht lange und macht es einfach. Es gibt immer einen Weg, auch wenn dieser mit viel Schweiß und Arbeit verbunden ist. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! What doesn’t kill you, makes you stronger.

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