Apropos Arbeitnehmerveranlagung – Wie du dir dein Geld vom Finanzamt zurückholst

Ligthbox mit Aufschrift "You got this"

Jeder kennt sie oder hat schon mal von ihr gehört: die Arbeitnehmerveranlagung (ANV). Auch gleichzusetzen mit: mühsam, aufwendig und damit ideal zum Prokrastinieren.

In diesem Beitrag erklären wir dir, warum es sich trotzdem lohnen könnte, sich damit zu befassen.

So funktioniert dein Steuerkonto auf FinanzOnline

Das Finanzministerium (BMF) bemüht sich, benutzerfreundlich und serviceorientiert zu sein. Wenn dich Amtswege abschrecken, kannst du aufatmen, denn über FinanzOnline geht alles auch bequem vom Sofa aus. Die Zugangsdaten müssen einmalig angefordert werden und sind selbstverständlich kostenlos. Ein FinanzOnline Account ist sehr nützlich:

  • Du hast die Möglichkeit die voraussichtliche Steuergutschrift oder -nachzahlung sofort berechnen zu lassen. Bei AMS-Bezügen wie dem Arbeitslosen- oder Weiterbildungsgeld musst du beachten, dass es oft zu falschen Vorausberechnungen kommt.
  • Du kannst dein aktuelles Steuerkonto abfragen.
  • Deine persönlichen Daten kannst du elektronisch ändern.
  • Anträge auf Rückzahlungen, Beschwerden und Änderung der Vorauszahlung können ebenfalls online gestellt werden.

Was ist eine Arbeitnehmerveranlagung?

Mit einer ANV holt man sich vom Finanzamt Geld zurück, wenn man im letzten Jahr zu viel Lohnsteuer gezahlt hat. Die Lohnsteuer wird so berechnet, als hätte man das ganze Jahr über gleich viel verdient. Falls das Einkommen zum Beispiel wegen eines Jobwechsels geschwankt hat, macht sich eine ANV besonders bezahlt. So zum Beispiel auch, wenn du nicht das ganze Jahr über angestellt warst, wie zum Beispiel bei einem Praktikum. Der Jahreslohnzettel muss vom Arbeitgeber bis Ende Februar beim Finanzamt eingereicht werden, du kannst die ANV somit üblicherweise ab März machen. Man kann die ANV rückwirkend für fünf Jahre einreichen.

Die antragslose Arbeitnehmerveranlagung

Seit 2017 gibt es die antragslose ANV, das heißt du kriegst automatisch die zu viel bezahlte Lohnsteuer vom Finanzamt auf dein hinterlegtes Konto überwiesen, sofern die folgenden Bedingungen erfüllt werden:

  • Bis zum 30. Juni des Folgejahres wurde noch kein Antrag für die ANV eingereicht.
  • Es wurden ausschließlich Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit bezogen.
  • Die Veranlagung ist eine Gutschrift.
  • Es wurden nur lohnsteuerpflichtige Einkünfte bezogen.

Werbungskosten und andere Ausgaben absetzen

Abgesehen von einer Rückzahlung der Lohnsteuer kann man verschiedene Ausgaben, die du im Rahmen deiner Erwerbstätigkeit aufbringen musst, steuerlich absetzen.

Werbungskosten

Dies beinhaltet alle Ausgaben, die mit der Erwerbstätigkeit oder auch mit der Weiterbildung und Arbeitssuche verbunden sind. Konkret können zum Beispiel folgende Ausgaben in diese Kategorie fallen: ein neuer Laptop, Fachliteratur, Weiterbildungskurse, Arbeitskleidung und Büromaterialien. Achtung: Falls der Laptop auch privat genutzt wird, müssen 40 % der Kosten abgezogen werden. Auch die Kosten für ein Bewerbungsgespräch wie beispielsweise Fahrt- oder Übernachtungskosten können abgesetzt werden.

Sonderausgaben

Versicherungskosten, Kirchenbeiträge, Spenden oder die Kosten für eine Steuerberatung werden unter Sonderausgaben geführt.

Außergewöhnliche Belastungen

Die dritte Kategorie betrifft besonders junge Familien oder Menschen, die an einer chronischen Krankheit leiden. Kosten für Medikamente, Kur, Zahnarzt oder Physiotherapie können abgesetzt werden, allerdings nur wenn der jährliche Selbstbehalt von 6 bis 12 % überschritten wird. Für das Jahr 2018 können letztmalig Kinderbetreuungskosten in Höhe von 2.300 Euro pro Jahr und pro Kind, das noch nicht das 10. Lebensjahr überschritten hat, abgesetzt werden. Seit 2019 wurde das Absetzen von Kinderbetreuungskosten vom Familienbonus abgelöst. Nähere Informationen dazu findet ihr hier.

Du siehst, du kannst hier einiges an Kosten geltend machen. Es lohnt sich also, sich mit diesem Teil der Arbeitnehmerveranlagung intensiver zu beschäftigen.

Mit der Pendlerpauschale Geld zurückholen

Wer einen Anfahrtsweg von mehr als 20 km zum Arbeitsplatz hat, hat Anspruch auf eine Pendlerpauschale. Die Zumutbarkeit der Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln spielt ebenfalls eine Rolle. Finde mit dem Pendlerrechner heraus, wie viel dir ungefähr zusteht.

Wichtig: Rechnungen und Belege aufbewahren

Prinzipiell gilt: Alles, was du absetzen möchtest, muss auch belegt werden können. Auf Verlangen des Finanzamts müssen Rechnungen, Belege oder Bankauszüge vorgewiesen werden können. Die Nachweise sollten für sieben Jahre aufbewahrt werden.

Keep calm und hol dir dein Geld zurück

Wenn du zum ersten Mal eine Arbeitnehmerveranlagung machst, ist sie zeitaufwendig und man verliert schnell den Überblick. Die Arbeiterkammer stellt jährlich angepasste Leitfäden und nützliche Tipps zur Verfügung, an denen man sich orientieren kann. Grundsätzlich kannst du folgendermaßen vorgehen:

  1. Erstelle eine Liste mit deinen Ausgaben, die du im Zuge deiner Erwerbstätigkeit aufbringen musstest.
  2. Check, ob du dafür noch die Nachweise hast.
  3. Log dich bei FinanzOnline ein und überprüfe bereits vorhandene Daten und ergänze absetzbare Ausgaben.
  4. Berechne in FinanzOnline deine voraussichtliche Steuergutschrift, wenn alles ok ist, sende das Formular ab. Die Gutschrift wird in den folgenden Wochen direkt auf dein Konto überwiesen.

Übrigens: sollte sich bei der Berechnung der Steuergutschrift herausstellen, dass du zu wenig Lohnsteuer bezahlt hast, und es zu einer Nachzahlung kommen, kannst du den Antrag zurückziehen und musst nicht bezahlen (vorausgesetzt es besteht kein Pflichtveranlagungsgrund). Es lohnt sich also auf jeden Fall online die mögliche Gutschrift zu berechnen.

Sobald du mal die erste ANV eingereicht hat, zählt es schon bald zu deiner jährlichen Routine. Weitere Infos zur Arbeitnehmerveranlagung findest du auf zum Beispiel auf oesterreich.gv.at.

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