Roswitha, Unternehmerin: „Ich sag immer: es gibt sieben fette und sieben magere Jahre.“

Roswitha hat 1988 im Alter von 40 Jahren ein Haus gebaut, ein Unternehmen gegründet und zwei Kinder bekommen. Im Interview blickt die heute 71-Jährige auf die Unternehmensgründung zurück und erzählt, was sie jungen Menschen in Sachen Selbständigkeit raten würde.

Womit hast du dein erstes Geld verdient und was hast du damit gemacht?

Ich weiß nicht mehr genau, was ich mit meinem ersten Lohn gemacht habe, aber ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich mein erstes Geld verdient habe. Das war Ende der 50er Jahre, da war ich 12 Jahre alt. Ich war Beerensammeln im Wald und ein Gasthaus hat mir diese für ein paar Schilling abgekauft. Von dem Geld habe ich mir im Dorf einen roten Pullover gekauft, den ich unbedingt haben wollte. Der hat damals 40 Schilling gekostet.

Für welche Bereiche, Interessen oder Dinge gibst du monatlich das meiste Geld aus und warum?

Abgesehen von Ausgaben für den Betrieb, gebe ich gerne Geld in meiner Freizeit aus. Ich bin eine passionierte Autofahrerin und genieße es im Sommer mit meinem Cabrio auf einen Kaffee zu fahren und Ausflugsfahrten durch Tirol zu machen. Das Auto, die Versicherung und das Benzin kosten natürlich einiges an Geld, aber diesen Luxus leiste ich mir gerne. Außerdem gehe ich gern einkaufen, ich interessiere mich sehr für Mode und achte darauf, immer gut gekleidet zu sein.

Wie viel % deines Einkommens kannst du zur Seite legen bzw. im Schnitt monatlich investieren?

Ich lege monatlich einen gewissen Betrag auf mein Sparbuch. Wie viel Prozent das sind, ist schwierig zu sagen.

Wenn dir jemand 5.000 Euro schenken würde, was würdest du mit dem Geld genau tun?

In meinem Alter würde ich es für eine Reise ausgeben. Das Geld würde ich jetzt nicht mehr investieren, sondern lieber genießen.

Was ist das Wichtigste im Umgang mit Geld und von wem hast du es gelernt?

Gelernt habe ich das von niemandem. Wenn man nichts hat, muss man es selber lernen. Meine Eltern waren Bauern und wir waren sechs Kinder. Taschengeld hat es nicht gegeben, das hatte damals niemand.

Mit etwa 12 Jahren wurden wir arbeiten geschickt, dann hatten wir auch etwas Geld. Wir haben immer viel gearbeitet. Einer meiner Brüder ging Vieh hüten, eine Schwester wurde in einen anderen Ort zur Feldarbeit geschickt. Die waren dann über Wochen von zu Hause fort, das war schlimm. Eigentlich furchtbar, aber das waren andere Zeiten. Eine meiner Schwestern war in einer Gastwirtschaft und eine andere hat Zimmer gemacht. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Ich hatte es gut, ich habe in der Nähe als Kindermädchen gearbeitet und war jeden Abend zuhause. Wie gesagt, das waren andere Zeiten. Damals haben wir uns unsere Schulsachen mit dem Beerensammeln selbst verdient – Bleistifte, Füllfedern und solche Sachen. Die Eltern mussten schauen, wie sie die Kinder ernähren und da musste jeder mithelfen.

Du hast mit 40 Jahren ein Haus gebaut und ein Unternehmen gegründet. Wie kam es dazu?

Zu der Zeit, also Ende der 80er, hatte ich bereits einen Sohn und ich wollte für uns einfach ein eigenes Dach über dem Kopf haben. Damals haben wir noch in einer Personalwohnung gewohnt. Ich wollte also eigentlich ein Einfamilienhaus bauen, den Baugrund dafür habe ich von meinem Vater bekommen. Zusammen mit der Bank habe ich ausgerechnet, wieviel der Hausbau kosten würde und welche Kreditrate ich im Monat zu bezahlen hätte. Die Rate wäre sich mit meinem damaligen Lohn nicht ausgegangen, da war mir klar, dass ich Gästezimmer dazubauen muss. Am Ende haben wir eine Pension mit 10 Gästezimmern gebaut, die ich seit über 30 Jahren führe.

Wie hast du das Haus letztlich finanziert? Hast du über die Jahre viel Geld auf die Seite gelegt?

Ich habe schon mit 20 Jahren mit dem Bausparen angefangen. Bis ich 40 Jahre alt war, hatte ich einiges angespart. Meine Mutter hat mir auch etwas Geld gegeben und natürlich ist auch was von meinem Mann und seinem Vater dazugekommen. Wir hatten somit schon einiges an Eigenmitteln. Für die Bank war das ausreichend, um den Bau des Betriebs zu finanzieren.

Was war der beste Geldtipp, den man dir gegeben hat und von wem kam er?

Ein Geldtipp in dem Sinn fällt mir nicht ein. Aber es gibt bei uns im Ort einen Spruch: „is Galt hots gearn dunkl“ (Das Geld mag es gerne dunkel). Der Spruch ist von einem wohlhabenden Einheimischen. Das bedeutet, dass man sein Geld nicht zur Schau tragen soll. Wenn man sieht, dass jemand Geld hat, sind die Leute neidisch und böswillig. Wenn man sein Vermögen nicht zeigt, hat man seinen Frieden und die Menschen begegnen dir ganz anders.

Wie sorgst du finanziell fürs Alter vor?

Ich habe ein Sparbuch und eine Lebensversicherung, genauer gesagt eine Erlebensversicherung. Da habe ich mit 30 Jahren angefangen und mit 60 Jahren habe ich mir diese dann auszahlen lassen. Da bin ich recht gut ausgestiegen, da ich einiges an Zinsen bekommen habe. Das Sparbuch läuft noch weiter.

Wie hast du für deine Kinder vorgesorgt?

Für unsere Kinder haben wir gleich nach der Geburt je ein Sparbuch eröffnet und auch einen Bausparvertrag abgeschlossen. Damals waren auch die Zinsen besser als heute. Als unsere Tochter 18 Jahre alt war, hat sie ihren Bausparer aufgelöst, um nach Wien zu ziehen und ihr Studium dort zu beginnen. Das war schon eine sehr gute Starthilfe.

Welchen Tipp würdest du jemanden geben, der ein Unternehmen gründen möchte?

Es ist ganz wichtig ein gutes Startkapital zu haben. Vor allem weil man am Anfang ja noch im Aufbau ist und die ersten Jahre schwierig sind. Ich war oft bei der Bank, um Zinssätze und Konditionen ausrechnen zu lassen. Dem Steuerberater habe ich den erwarteten Jahresumsatz berechnet – diese Info wollte natürlich auch die Bank. Im Nachhinein meinte der Steuerberater, dass ihm noch nie jemand so eine genaue Aufstellung vorgelegt hat. Im Rechnen war ich schon immer sehr gut. Wie gesagt, hatten wir ein gutes Startkapital.

Außerdem ist es wichtig, auch mit schlechten Phasen zu rechnen. Ich sage immer: es gibt sieben fette und sieben magere Jahre. So ist es mit der Wirtschaft und eben auch im eigenen Betrieb. Vor allem die ersten Jahre sind schwierig – viele kleine Unternehmen überstehen die gar nicht.

Also, gut informieren und alles gut durchrechnen.

Was würdest du anders machen, wenn du heute ein Unternehmen neu gründen würdest?

Damals war es eine sehr gute Zeit, um eine Pension zu eröffnen oder ein Unternehmen zu gründen. Heute würde ich aber keinen Betrieb mehr aufmachen. Damals waren die Bedingungen ganz andere, heute ist es für kleine Unternehmen deutlich schwieriger als früher. Die behördlichen Auflagen und die Bürokratie steigen. Außerdem ist die Steuerbelastung mittlerweile sehr hoch und ein großer Teil der Einnahmen geht direkt ans Finanzamt. Natürlich kommt es auf die Branche an, aber was die Hotellerie angeht würde ich ehrlich gesagt keinem jungen Menschen empfehlen selbstständig zu werden. Man ist zwar sein eigener Chef, aber die Arbeitszeit beträgt sicher täglich an die 12 Stunden – die Freizeit muss man sich gut einteilen, damit man nicht in ein Burn-Out rutscht.

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